Ergebnisse unserer Online-Umfrage „Pflege in Zeiten der Corona-Pandemie“

53 MAKS®-Therapeutinnen und Therapeuten haben sich Zeit für unsere Online-Umfrage genommen und uns Ihre Schwierigkeiten und Lösungen im „neuen Arbeitsalltag“ mitgeteilt!
Die COVID-19-Pandemie wirkt sich stark auf die Arbeitsbelastung aus. Rund 70% der Befragten empfinden eine höhere Arbeitsbelastung im Vergleich zum üblichen Arbeitsalltag. Etwa 35% gaben dabei „stark erhöht“ an. Als Gründe wurden vor allem der Wegfall von Beschäftigungs- und Therapieangebot, verstärkte Einzelbetreuung, die Einhaltung der Schutzmaßnahmen, längere Laufwege aufgrund der Trennung der Wohnbereiche sowie Krankheitsvertretungen genannt. Dazu kommen Sonderaufgaben wie die Hilfe beim Briefeschreiben oder bei der Videoerstellung für Angehörige.
Stress im Arbeitsalltag benötigt Ausgleich! Ausreichend davon erhalten 67% der Befragten in ihrer Freizeit. Dennoch machen es Überstunden, der eingeschränkte Kontakt zu Freunden & Familie sowie die Unzufriedenheit mit der derzeitigen Betreuung für manche Befragte schwierig, nach der Arbeit richtig „abzuschalten“.

MAKS® trotz Corona – Die Mehrheit der Befragten führen MAKS® aktuell durch. 22% setzen einzelne Module um, 40% bieten MAKS® sogar vollumfänglich an! Das digitale Handbuchs wird dabei aktuell von rund 60% der Befragten genutzt. 30% nutzen neben den Papier- & Bleistiftübungen auch die digitalen Übungen. Wie kann MAKS® trotz Corona umgesetzt werden? Eine Lösung lautete:
Grundsätzlich finden alle Module, teilweise in gekürzter Form, mit 5 Teilnehmern statt. Die kurze Zeit mit den Bewohnern wird individuell angepasst. Sehr wichtig ist es, mit den Gästen die Natur zu genießen und auf das frische Grün, das Wetter und die Bäume hinzuweisen. Wenn möglich sollte man einzelne Module in den Alltag einbauen – z.B. mit den Bewohnern Zeitung lesen und aus einem Artikel bestimmte Buchstaben umkreisen.

Gartenzaun-Skyping & Balkonbesuche – Der Kontakt zu den Angehörigen Welche (technischen) Möglichkeiten nutzten die Befragten, um einen Kontakt zwischen den Bewohnern und ihren Angehörigen trotz Besuchseinschränkungen herzustellen? 67% gaben an, das Telefon oder den Video-Anruf (Skype) zu nutzen. Aber auch Besuche lassen sich trotz Krise unter bestimmten Voraussetzungen organisieren, wie uns die folgende Nachricht zeigte:
Angehörige können mit dem nötigen Abstand, getrennt über den Gartenzaun („Gartenzaun-Skyping“) oder ein Besucherfenster / Balkon mit den Bewohnern sprechen oder in einem geschützten Raum unter Einhaltung der gesetzlichen Auflagen zu Besuch kommen. Alle Besuche erfolgen mit Anmeldung und werden für alle Wohnbereiche sichtbar auf bspw. einem Dokumentstionstablet eingetragen und gespeichert. Fällt ein Termin aus, kann dieser von einem Bewohner eines anderen Wohnbereichs genutzt werden. Alle Besuchstermine werden vom Team der Beschäftigungstherapie organisiert und auch begleitet. Angehörigengespräche haben vor allen anderen therapeutischen Maßnahmen Vorrang – denn: durch die Möglichkeit von Besuchen ist eine deutlich höhere Bewohnerzufriedenheit zu beobachten! Aber auch der klassische Brief wird genutzt! Wie etwa in dieser Rückmeldung: Wir haben für die Angehörigen ein aktuelles Bild der Bewohner mit einer Karte gebastelt, welche die Bewohner zum Teil selbst ergänzt haben. Die Angehörigen haben sich darüber sehr gefreut!

Das soziale Zusammenleben zwischen den Bewohnern ist durch COVID-19 laut 74% der Befragten mittel (45%) bis stark (29%) eingeschränkt. Hauptgründe hierfür sind der Wegfall von Gruppentherapien als zentrales Element des Zusammenlebens, die Abstandsregelungen und das Trennen der Wohnbereiche. Aber auch hier wurden kreative Wege gefunden!
Für Singkreise und das alltagspraktische Angebot nutzen wir die Speisesäle, um die Auflagen zu erfüllen. Für das Bedürfnis nach Nähe und Kontakt eignen sich vor allem Hand-Massagen. Damit der Mindestabstand eingehalten wird, muss jeder Bewohner dabei an seinem Platz bleiben.
Bei uns gibt es Fensterkonzerte, Grillabende und Frühschoppen. Die Bewohner treffen sich in Kleingruppen von 10 Personen innerhalb des Wohnbereichs.
Kleine Gruppenangebote mit 5 Personen sind bei uns erlaubt. In der Wohnküche finden Aktivierungen wie Malen & Basteln (bspw. Schilder anmalen für den Garten) oder einfach nur Gespräche oder Übungen zur Förderung der Mobilität statt. Von den Mitarbeitern wird Kuchen gebacken, damit der Duft die Sinne anregt.
Einzelaktivierungen wie Spazierengehen oder „Parkbankaktivierungen“ (Nummernschilder, Automarken, Farben raten) eignen sich besonders, um das Ich-Bewusstsein der Bewohner zu stärken. So lernen wir uns selber und unsere Bewohner kennen.

Mentale & Körperliche Folgen der COVID-19-Pandemie – Wie hat sich der Zustand der Bewohner hinsichtlich Psyche, Verhalten, Kognitive Fähigkeiten oder körperliche Konsequenzen in den letzten Wochen der Corona-Pandemie verändert? Etwa 23% der Rückmeldungen lauteten „leichte Verbesserung“ oder „unverändert“. Die Mehrheit jedoch (75%) gaben an, dass sich der Zustand etwas (58%) bis stark (17%) verschlechtert hat. Die häufigsten Gründe hierfür waren das Kontaktverbot zu Angehörigen und Mitbewohnern, das fehlende Verständnis für die Schutzmaßnahmen und die Angst vor Ansteckung und Isolation. Um einem sozialen Rückzug und körperlicher / psychischer Lethargie vorzubeugen, lässt sich auch mit MAKS® einiges bewirken: Unsere Bewohner können zu Beginn der MAKS-Therapie® in der Austauschrunde von ihren Sorgen und Ängsten erzählen. Dazu üben wir in dieser Runde mit so viel Leichtigkeit wie möglich das Aufsetzen und Tragen der Masken. Im Laufe der Module kehrt Freude und Leichtigkeit dann wieder zurück.
Trotz einer Vielzahl an kreativen Lösungen, der Pandemie zu begegnen, können eine hohe Arbeitslast sowie mentale und körperliche Folgen zu Spannungen führen. Besonders das Gefühl, bevormundet zu werden, kann aggressives Verhalten und zuletzt auch Gewalt verursachen.

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